Wie lesen wir?

Bevor man mit dem Lesen von Texten beginnt, bestimmt ein routinierter Leser nahezu unbewusst,
um welche Textart es sich handelt. Man unterscheidet beispielsweise zwischen einem Roman, einem
Telefonbuch, einer Speisekarte, einem Modemagazin oder einem Lehrwerk. Mithilfe dieses Wissens
können wir ableiten, wie wir den Text am besten lesen:
wir entscheiden uns intuitiv für eine entsprechende Leseart.

Grafik zur Veranschaulichung der Lesearten nach Willberg & Forssmann
© Imke Mühlenfeld

Den Roman lesen wir linear von Anfang bis Ende – Satz für Satz. Bei der Rezeption eines Lehrwerks
dagegen schlagen wir das Buch an einer bestimmten Stelle auf, lesen dann die Überschriften,
überfliegen Textpassagen, widmen uns im Anschluss den interessantesten Stellen oder blättern noch
einmal zurück. Dies bedeutet im Gegensatz zum linearen Lesen, dass ein Buch in verschiedenen
Ebenen aufgeteilt wird, die mit- oder unabhängig voneinander gelesen werden können (Willberg &
Forssman, 1997). Diese Leseart wird als »selektiv« bezeichnet.

Willberg und Forssmann (1997) haben die verschiedenen Lesearten sortiert und gekennzeichnet:
sie unterscheiden unter anderem daslineare, selektierende, informierende und konsultierende Lesen.
Die Systematik der unterschiedlichen Lesearten ist dabei keine theoretische Vorgabe, sondern eine
Maßnahme, um aufdie vielfältige typografische Alltags praxis und auf die spezifischen Anforderungen
der verschiedenen Lesearten zu reagieren.

Dabei gilt: je komplexer der Text, desto umfangreicher sollte der typografische Maßnahmenkatalog
gestaltet werden (Unger 2009).

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